Pädagogische Konzeption der Evangelischen Johannes-Schule Langhagen


1  Allgemeine Überlegungen
Evangelische Schulen sind Ausdruck des Bildungs- und Erziehungsauftrags der Kirche und wirken eigenverantwortlich bei der Erfüllung der allgemeinen öffentlichen Bildungsaufgaben mit. Sie spiegeln damit nach der Auslegung des Bundesverfassungsgerichts von 1987 den vom Grundgesetz im Artikel 7, Abs. 4 und 5 gewollten “schulischen Pluralismus” in der Bundesrepublik wieder.

 

Vor dem Hintergrund der veränderten Bedingungen der Lebenswelt, des tief greifenden Wandels der Gesellschaft und der Einstellungen und Werte, an denen sich unser Leben orientiert sowie der Anforderungen zur Bewältigung der Lebensverhältnisse, bedürfen die Schüler/Innen einer Schule, die sich nicht nur als Einrichtung begreift, an der sie besondere Kenntnisse und Fertigkeiten erwerben, sondern die sich auch als Lebens- und Erfahrungsraum versteht.

Die Johannes-Schule will die neuen Aufgaben und Probleme, die sich aufgrund der gesellschaftlichen Veränderungen in den letzten Jahren ergeben haben, verstärkt im Unterricht und im Schulleben aufnehmen und dafür sorgen, dass die Schüler/Innen mit den Merkmalen - Chancen und Gefahren - unseres Lebens vertraut sind. Die Schule sieht ihre Aufgabe darin, die ihr anvertrauten Kinder an ein aus christlicher Sicht geprägtes Weltverständnis heranzuführen und sie zu einer Lebensgestaltung in christlich-humanistischer Verantwortung zu ermutigen.


2.  Die fünf Grundsätze der Evangelischen Johannes-Schule in Langhagen
Aus den Vorbemerkungen ergeben sich für das Profil der Johannes-Schule aus christlicher Verantwortung gegenüber den Schülern und Schülerinnen fünf Leitgedanken der Bildungs- und Erziehungsarbeit, die als Kernbereiche die allgemeinen Aufgaben und Ziele der Schule benennen und sich als Rahmen für die individuelle Ausformung der zukünftigen Schulgestalt verstehen.


Folgende Grundsätze sind hier zu nennen:

  • ganzheitliches Lernen
  • Leben und Lernen in christlicher Gemeinschaft
  • Sinnorientierung im Unterricht
  • besondere didaktisch-methodische Formen
  • Aus- und Weiterbildung der Lehrkräfte 

2.1  Ganzheitliches Lernen
Dem Erziehungsziel “ganzheitliches Lernen" kommt in der pädagogischen Ausformung einer an christlich-humanen und demokratischen Werten orientierten Schule ein hoher Stellenwert zu.

 

Ganzheitliches Erziehen und Unterrichten stellt den Schüler / die Schülerin mit seiner Individualität in den Mittelpunkt - nicht den Stoff oder den Lehrplan. Die Schüler/Innen werden dabei als ganzheitliche Persönlichkeiten begriffen, die - mit Blick auf die christliche Anthropologie - ihre von Gott gegebenen Fähigkeiten und Fertigkeiten, Bedürfnisse, Neigungen und Interessen erkennen und entwickeln sollen. Eine Schule, die diese ganzheitliche Dimension pädagogischen Handelns wahrnimmt, ist eine schülerorientierte Schule.


Die Johannes-Schule will besonders diese Sichtweise gegenüber den Kindern berücksichtigen und bedenken. Sie unterstreicht in ihrem pädagogischen Tun das Recht des Schülers/der Schülerin, in seinem / ihrem So-Sein ernst genommen zu werden. Sie erinnert damit an das biblisch-christliche Menschenbild, das die Gottebenbildlichkeit als Bestimmung des Menschen begreift. Der Mensch, verstanden als Geschöpf Gottes und Ebenbild Gottes, ermöglicht die Annahme, Wertschätzung und umfassende Förderung der ganzen Schülerpersönlichkeit und wahrt die Würde und Unantastbarkeit der Lernenden in allen pädagogischen Situationen.


In der schulpraktischen Umsetzung im Sinne einer individuellen, ganzheitlichen Entfaltung heißt dies auf einer ersten Stufe, dass den vorwiegend kognitiv orientierten Lernprozessen die sozialen und physisch-sinnlichen Prozesse der Aneignung gleichgestellt werden. Ziel ist es, durch den handelnden Umgang (handlungsorientierter Unterricht, “Praktisches Lernen") mit den Gegenständen die Schüler/Innen zu einer Erweiterung und Entfaltung möglichst aller seiner / ihrer Anlagen zu verhelfen (vgl. hierzu auch die Ausführungen unter Pkt. 1).


Es ist ferner daran gedacht, die ganzheitliche Dimension des Lernens durch verschiedenartige Gruppenaktivitäten, Feste und Feiern innerhalb der Schule und im Freizeitbereich zu ergänzen.


Darüber hinaus soll sich die Schule dem Leben in der Region bzw. dem sozialen Umfeld und insbesondere dem Leben in den Kirchengemeinden öffnen. Möglichkeiten und Chancen der Vernetzung von Schule und Kirchengemeinden sind dementsprechend mit den beteiligten Bezugsgruppen im Einzelnen noch zu erörtern. Die Belebung der Nachbarschaft von Schule und Kirchengemeinde(n) bedeutet für uns, die Kirchengemeinde(n) stärker an der Schule und der schulischen Bildung zu beteiligen und neue Formen der Kooperation zwischen beiden zu entwickeln. Durch die Vernetzung erfährt die Schule ihrerseits in einer säkular geprägten Umgebung durch die Einbindung in das Gemeindeleben eine entscheidende Ausprägung ihres ganzheitlichen Erziehungsauftrages.


2.2  Leben und Lernen in christlicher Gemeinschaft
Christliche Schulgemeinschaft ist für die Johannes-Schule ein Leitbild für das Zusammenleben der Menschen. Sie bedeutet ein wesentliches Prinzip des Schullebens, wo Schulträger, Eltern, Schüler/Innen, Lehrer/Innen, aber auch Freunde der Schule und Kirchengemeinden sich als in gegenseitiger Verantwortung stehende Lebensgemeinschaft erleben und begreifen. Christliche Schulgemeinschaft optiert für eine Schule, die eben nicht nur Ort systematischer Belehrung, sondern auch Stätte der Begegnung von Menschen untereinander ist. Dabei wird das gesamte Miteinander von Fragen nach den Lebensgrundlagen, nach Lebenssinn und nach dem Überleben in der einen Welt geleitet. Schulträger, Eltern, Lehrkräfte, Schüler/Innen versuchen eine zeitgemäße “vita christiana" zu entwickeln und einzuüben. Diese christliche Lebensform ist eine Lebensform des Miteinanders und Für-Andere-Daseins.


Christliche Schulgemeinschaft kann darüber hinaus mit dem Begriff der praxis pietatis umschrieben werden. Von täglichen oder wöchentlichen Morgenandachten bis zu Schulgottesdiensten und Einkehrtagen ist ein vielfältiges Angebot geistlichen Zusammenlebens in der Johannes-Schule vorgesehen. Zentraler Gedanke dabei ist, dass dies

frei von Gewissenszwängen und in Toleranz gegenüber Andersdenkenden Gestalt gewinnt. Schulleitung, Lehrkräfte

und die Schüler und Schülerinnen müssen dabei immer wieder selbst prüfen, inwieweit ihr Verhalten, aber auch die schulischen Ziele mit Aspekten der Menschenwürde, Rücksichtnahme und Nächstenliebe zusammenpassen.

Stand: 2017

 


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